Themennachmittag

Am Samstag, dem 20. Februar 2016 fand in der Gemeinde Braunschweig ein Themennachmittag statt. Die Beteiligung der Geschwister aus Braunschweig, Wolfenbüttel und den umliegenden Gemeinden war sehr groß. Moderator war Priester Sebastian Müller-Bahr vom Netzwerk Apostolische Geschichte. Die Vorträge wurden in drei Abschnitte unterteilt: Geschichte, Tradition, Entschlafenenwesen.

Geschichte

Der erste Abschnitt befasste sich mit der Geschichte der Neuapostolischen Kirche. Priester Müller-Bahr erklärte uns die einzelnen Stationen der Entwicklung unserer Kirche in einem Bild/Ton-Vortrag. Zu hören waren einige Lieder aus dem alten Liedgut. Mit Begleitung der Orgel und eines alten Harmoniums wurden noch bekannte Lieder mitgesungen. Im Anschluss dieses Abschnittes gab es eine Kaffeepause, die auch zu Fragen genutzt werden konnte.

Tradition

Im zweiten Abschnitt konnten wir etwas über Traditionen in der Neuapostolischen Kirche lernen. Da gibt es zum Beispiel die Diakone, sie sind schon immer die Türhüter gewesen. Nicht zu verwechseln mit den Türstehern, die finden wir an anderer Stelle. Wir erfuhren auch etwas über die Anzugsordnung. Die älteren Geschwister können sich bestimmt noch daran erinnern, dass unser Apostel Knigge und die Bischöfe einen Stresemann trugen. Zur Erläuterung: Ein Stresemann besteht aus einer schwarzen, längsgestreiften Hose und einem schwarzen Sakko, das hinten kleine Flügel hat, man nennt sie auch Schwalbenschwänze. In der Anfangszeit trugen die Amtsträger farbige Gewänder, wie wir sie aus anderen Glaubensgemeinschaften kennen. Das wurde bald abgeschafft. Anfang der neunziger Jahre gab es Diakonissinnen, die besondere Voraussetzungen erfüllen mussten. Es mussten „erfahrene und in weiblichen Verhältnissen erprobte christliche Hausfrauen und Mütter“ sein. Ihre Aufgaben waren das Orgelspiel, Kinder unterrichten, Krankenbetreuung, Blumenschmuck und Kirchenputz. Eine besondere Aufgabe war die Witwenbetreuung.

Zur Jahrhundertwende unterschied man fünf verschiedene Gottesdienstformen:

  1. Sonntagsgottesdienst,
  2. Sonntagsgebet,
  3. Abendmahlsgottesdienst,
  4. Wochengottesdienst,
  5. „Hausmädchengottesdienst“ – dieser Gottesdienst war am Sonntagnachmittag.

Im Jahre 1898 kam das erste Gesangbuch heraus, es wurde später überarbeitet, und 1910 erschien das erste neuapostolische Gesangbuch. Übrigens – es gibt eine inoffizielle neuapostolische Hymne. Sie ist das Lied „Der Herr ist mein Licht“, bei der wir viele Jahre, und auch heute noch ab und an, beim Refrain aufstehen.

Das uns allen bekannte einheitliche Logo mit dem Kreuz und der aufgehenden Sonne gibt es seit 1968.

Jetzt noch etwas zum Abendmahl: Die Abendmahlskelche haben sich in den vielen Jahren sehr verändert. Eine Zeit lang bekamen die Apostel zum Beispiel immer einen goldenen Kelch. Mögen die Veränderungen der Abendmahlskelche auch sinnvoll gewesen sein – Abendmahl und Sündenvergebung haben immer noch den gleichen Wert, sind sie doch wichtige Bestandteile der Liturgie im Gottesdienst.

Wie kommt der Wein auf die Hostie? Anfangs hatte die Hostie noch keine drei Tropfen Wein, der Wein wurde dazu getrunken. Das war nicht sehr gesundheitsfördernd, kranke Geschwister bekamen das Abendmahl deshalb immer zum Schluss. Man hat dann versucht, die Hostien zu beträufeln, was sehr mühsam und zeitaufwendig war. Gut, dass es heute dafür Maschinen gibt. Diese Maschinen können auch in der Bielefelder Hostienbäckerei besichtigt werden. Dort werden täglich 800.000 Hostien hergestellt und in alle Welt verschickt. Übrigens: Der Wein ist von der Rebe Dornfelder, er muss einen bestimmten Säuregehalt haben, damit die drei Tropfen nicht mit der Zeit trocken werden und verschwinden.

Nach diesem umfangreichen Vortrag gab es wieder eine Pause, und wer wollte, konnte sich im Nebenhaus mit heißen Würstchen und Toastbrot stärken, bevor es in die letzte Runde ging.

Entschlafenenwesen

Das Entschlafenenwesen nach unserem heutigen Verständnis ist von den ersten Christen bezeugt, die sich für Verstorbene taufen und versiegeln ließen. Zu Beginn des Entschlafenenwesens in der Neuapostolischen Kirche wurden durch Weissagungen und Gesichte Personen und Namen aus dem Jenseits benannt. Die Handlungen wurden an lebenden Geschwistern vollzogen. Heute gibt es ein neues Verständnis zur Schüsselgewalt und Schlüsselvollmacht. Die Schlüsselgewalt hat einzig Gott, das Stammapostelamt hat die Schlüsselvollmacht von Christus erhalten. Die Bereiche der jenseitigen Welt werden nicht durch den Stammapostel geöffnet, sondern sind durch den Opfertod Jesu Christi ein für allemal geöffnet. Das in der Vergangenheit oft verwendete Bild von Gefängnissen lässt sich nicht biblisch belegen. Es gibt Bereiche der Gottnähe und der Gottferne. Heute beten wir für die unerlöst Entschlafenen, dass der Herr ihnen helfen möge. Die Sakramente empfangen die Entschlafenen durch den Stammapostel und die Bezirksapostel. Dabei dienen zwei Amtsbrüder als sogenannte Krippe.

Dieser Themennachmittag enthielt eine Fülle interessanter Hintergrund-Informationen. Ein ganz herzliches Dankeschön an Priester Sebastian Müller-Bahr für seine Ausführungen und an die Geschwister aus Braunschweig für die Bewirtung und liebevolle Gastfreundschaft.

E.K. Fotos: T.B.